(...Deine
Nase nicht so nah an den Bildschirm)

Ausgabe
3/77
Neulich
habe ich bei e-bay das Heft zur Vorstellung
des
123 Coupes ersteigert.
Ein
sehr schöner Bericht. Leider reicht die Webspace nicht aus
um
den Bericht lesbar hier abzulegen. Sollte jemand an dem Artikel
Interesse
haben mailt mich an, dann schicke ich einen guten Scan als pdf. (ca. 3 MB)

Auszug
aus einem sehr schönen Buch. 9 Seiten nur über das Coupe.
Haben wolle??? (pdf.
ca. 2 MB)
Mercedes-Benz 280 CE - Verprollte Rentnerträume mit
Klassikertugenden
Von Mathias Paulokat
Sie waren das lang ersehnte Gefährt in die Jahre gekommener, finanzkräftiger
Pensionäre, die den monatlichen Rentenzahlungen mit ihrem Ausgabeverhalten
nicht beikamen, nun aber endlich mit metallicfarbenen Mercedes 280 CE ihren
Sommerhut hinter der Heckscheibe zum Kaffeekränzchen ausfahren konnten.
Die Erfinder des Automobils
hatten dazugelernt; damals im Jahre 1977, als die Sindelfinger ihr neues großes
Mittelklasse-Coupé der selbstfahrenden Öffentlichkeit
präsentierten. Denn der 280 CE der
Baureihe W 123 C kam wesentlich eleganter, gedrungener und souveräner daher als
sein weniger gut verkäuflicher Vorfahre der Strichacht Baureihe. Ein verkürzter
Radstand, vorne Breitbandscheinwerfer - Modell Flutlichtanlage - und ein
markantes Heck mit Riffelleuchten im S-Klasse-Format, die dem Rechtsspurfahrer
schon damals leicht verächtlich blinzelnd zurufen wollten "Und
tschüß!" 177 PS, von sechs Krafttöpfen aus 2,8 Liter Hubraum freigelegt,
sorgten für standesgemäße Beschleunigung. Von 0 auf 100 in rund elf Sekunden
waren und sind für ein leergewichtiges 1,5 Tonnen Auto durchaus respektabel.
Nein, die sportliche Note konnte man unter aller objektiver Betrachtung nicht
leugnen.
Freude am Fahren
Die Zeichen am
Sternenhimmel standen in jener Epoche allerdings vielmehr auf Sicherheit und
Perfektion, als Resultat hochgradig ambitionierter wissenschaftlicher
Forschungsarbeit. Die Verkaufsprospekte stellten das Sicherheitskonzept des
Fahrzeugs vornan, auf die ersten Seiten noch vor den in jener Zeit
obligatorischen ausklappbaren Großformatfotos des Coupés. Mit den
Crashaufnahmen, den Deformationsskizzen und Textpassagen in sperriger
Ingenieurssprache erhielten die Broschüren den emotionslosen Duktus von
Beschreibungen für Laborversuchsanordnungen: "Die für Mercedes typische
Fahrkultur beruht auf einer perfekten Synthese aus Fahrsicherheit, Fahrkomfort,
Fahreigenschaften und Motorleistung. (...) Das Auto als Ergebnis
wissenschaftlich erforschter Zusammenhänge beim Fahren. Es hat das Ziel, in dem
Funktionsdreieck Fahrer-Fahrzeug-Straße entlastend zu vermitteln." Legaldefinitionen
á la Mercedes. Freude
am Fahren würde man heute wohl andernorts leicht und locker formulieren. Das
indes wäre ehedem viel zu banal gewesen. Der wissenschaftliche Anspruch des
guten Sterns auf allen Straßen verlangte ungeteilte Strebsamkeit und
Schrauberschweiß. Per aspera ad astra, der Weg zu einem guten Mercedes kostete
den Erfindern erhebliche Mühen. Und sie machten keinen Hehl daraus.
Für derlei automobile Primärtugenden
hatten junge Autofahrer
in den späten Siebzigern allerdings
wenig Sinn. Und auch kein Geld. Mercedes war immer noch etwas für diejenigen, die
es geschafft hatten. Heute sieht das anders aus. Ein Blick in den legitimen 280
CE Nachfolger, den Mercedes CLK, beweist dies eindrücklich - unerfahrene
Jungspunde allenthalben. Damals hingegen fühlten sich vorzugsweise ergraute
Herren von einem Mercedes-Coupé und der kopflastigen und spröden Produktwerbung
angesprochen. Sie orderten und kauften recht fleißig den 280 CE für immerhin
nennenswerte 31.800 DM in der Grundausstattung im Premierenjahr 1977. Insgesamt
brachte Mercedes-Benz 99.884 Coupés an den Mann, darunter auch so - gelinde
gesagt - aparte Farbvarianten wie Cayennorange und Moorbraun. Nach heutigen
Maßstäben kreischend scheußliche Fehlfarben denen wohl nur Geschmacksverirrte
etwas abgewinnen können, damals aber der letzte Schrei. Begehrt war allerdings
auch die Grüntonpalette. Wer eine glückliche Hand hatte und seinen 280er in
Silberdistel und Zypressengrün wählte, schenkte dem Automobil zeitlose
Grandezza.
Prollige Plastikbomber
statt Modellbausätze
Dennoch: Selbst den 280er
Coupés blieb eine späte Schmach nicht erspart. Als die Gebrauchtwagenpreise
gegen Ende der achtziger Jahre auf dem Niveau eines Opel Kadett Jährlings
anlangten, stellten sich Deutschlands Bastelkönige die Zweitürer mit Stern auf
den Hof. Bei AMG, BBS und Lorinser bestellten sie alles, was ihren Mercer
breiter, tiefer und schneller machen sollte. Ganz Wilde montierten sich noch
die SEC Haube, die Großsternklappe der S-Klasse Coupés, auf den Vorderwagen.
Tatsächlich gelang den Sprühdosenlackierern so, aus einem eleganten Fahrzeug
einen prolligen Plastikbomber zu kleben. Tuning nannten sie diesen Frevel.
Hätte man ihnen doch bloß mehr Modellbausätze gereicht.
Doch das Tal der Tränen
scheint mittlerweile endgültig durchfahren. Auch wenn viele 280er dort nicht
mehr herauskamen, nach unentwegt hochgepeitschtem Drehzahlmesser auf der
Strecke verendeten. Diejenigen aber, die von den Malträtierungen verschont
blieben, mausern sich nun zum echten Klassiker: Die sprungbereite, kraftvolle
Silhouette mit vollversenkbaren Seitenfenstern, drei chromumfasste
Rundinstrumente im Cockpit, ein großes Lenkrad, der unkaputtbare Doppelnocker
unter der Haube und eine rundherum vorbildliche Verarbeitung setzen hohe
Qualitätsmaßstäbe im Youngtimersegment. Knackpunkte der gebrauchten 280er
bleiben Lenkgetriebe, Hinterachsfedern, Spurstangen, Klimakompressoren,
hydraulische Zentralverriegelungen und auch die Automatikgetriebe.
Originalzustand als
größtes Glück
Wahre Coupéliebhaber schreckt das keineswegs ab. Rund 10.000 Mark zahlen sie für erhaltenswerte Fahrzeuge. Sie tun gut daran. Nach einem besseren Preis-Leistungsverhältnis muss man bei Youngtimern lange suchen. Ehrliche 280er sind ihr Geld vollends wert. Die sprichwörtlich rentnergepflegten Coupés allerdings sind rar geworden. Und wenn ein noch junger Mercedesfahrer das Glück hat, ein unverbasteltes Exemplar zu ergattern, dann wird er alles tun, um den Originalzustand zu bewahren. Begegnet man einem solchen Fahrzeug im Straßenbild, greift man - eh man sich versieht - zur Ausdrucksweise der Mercedes-Stilisten: "Das Mercedes Coupé. Das Mercedesfahren ist um dieses Auto schöner geworden." Wer hätte das geahnt. Sie haben eben doch Recht behalten, die Sindelfinger.